Die Rhone Stein (K)Reise — Die Rhone im Kreis –
die Rhone im Rad – Der Stein auf (K)Reisen
Mein Weg in die Ferien nach Süd-Frankreich
ins Rhone-Delta führte mich und mein Motorrad über diverse schweizer Pässe. Meine wirklich Reise begann jedoch bereits einige Tage vor meinen Ferien, als mir bewusst wurde, dass es nun wieder an der Zeit ist mit den Lehren der Medizinräder in die Welt zu gehen. Vor genau 9 Monaten ging eine Ära zu Ende als mein Medizinradvermittler diese Welt verliess. Einen neunmonatigen „Schwangerschafts-Zyklus“ brauchte ich, um mich Selbst wieder bereit zu machen um Medizinradzeremonien auszuschreiben. Medizinräder auf zeremonielle Weise zu vermitteln bedeutet nicht nur einfach Seminare auszuschreiben und durchzuführen. Es bedeutet vor allem auch sich in einen Zyklus hinein zu begeben und somit in ein eigenes Rad, ein Lehr- und Lernrad, dass auch immer wieder neu initiiert sein will.
So drehte sich im Vorfeld der Reise und bei der Abfahrt viel um die Räder und die Bewegung mit ihnen nach aussen. Am 8. Juli 2011 kam ich mit voll bepacktem Motorrad am Ursprung der Rhone an, am Rhone-Gletscher beim Furkapass auf 2400 m ü. M., und unternahm eine kurze Wanderung hin zum Gletscher. Nun spürte ich am ganzen Körper, dass ich von einem Ursprung, einer Quelle, bis hin zum Meer und zurück wandeln werde, und damit wurde mir klar wo und wie mein Wiederbeginn mit den Medizinrädern starten würde. So begann eine kleine Zeremonie mit einer Grossmutter Stein, die mich bat sie mitzunehmen ans Meer.
Der Stein wollte das Meer als Ganzes sehen und nicht als Sand dort ankommen. Ich willigte ein ihn mitzunehmen auf diese Reise und sein Träger und Begleiter zu sein auf seinem Weg dorthin.
So fuhren wir gemeinsam durchs Rhonetal, dem Weg des Wassers folgend, bis an die Mündung des Flusses ins Mittelmeer, dem Rhone-Delta. Der Stein wollte jedoch nicht direkt ins Meer, er verbrachte die ganzen Ferien mit uns, erlebte die Sümpfe, die weissen Pferde und die schwarzen Stiere mit den grossen Hörnern, die Flamingos, das Lachen, Weinen, Tanzen, Spielen, Lieben, Träumen, Denken, Philosophieren der Menschen, die mich in der Zeit umgaben in der Camargue. Und dann kam Weg ans Meer.
Am Meer erlebte er das Salzwasser, das Spiel mit den Wellen, die Wanderung den Sand, das Liegen in der Sonne, die Spiele der Menschen, das Bauen von Sandburgen und Skulpturen, und dann, nach all diesen Erfahrungen, kam der Moment an dem der Stein ins Meer wollte. So legte ich ihn vor unseren Skulpturen in den Sand, so dass die Wellen den Stein sanft umspülten. Ich dankte dem Stein für die Gesellschaft in den letzten 9 Tagen und wünschte ihm eine gute Reise im Meer. Ganz deutlich sprach der Stein zu mir, während das Meer ihn
langsam an sich nahm.
Er dankte mir für die Reise, für die Erfahrungen, fürs Zeigen was es auf seinem Weg alles zu sehen und erleben gibt. Er dankte mir fürs Zeigen der vielen Gründe, warum er sich in Sand wandeln soll/ darf/ muss um so im Tempo seiner Brüder und Schwestern durch und mit der Welt zu reisen. Und er bat mich ihn wieder mit an die Quelle zu nehmen damit er dort den Bergen, dem Gletscher, seinen Schwestern und Brüdern Steine die zurückgeblieben sind davon erzählen kann. Es soll ein Teil des Meersalzes an ihm kleben wenn er zurückkommt, damit es alle Wesen am Rhone-Gletscher schmecken können und damit jedes für sich selbst erkennen kann warum sie/ er genau da ist wo er/ sie ist. Wie eine Bestätigung vom Meer kam in dem Moment eine Welle, die den Stein wieder zurück zu mir an meine Füsse spülte, so dass ich ihn ohne einen Schritt zu tun aufnehmen konnte und
damit wieder in meine linke Brusttasche des Hemdes steckte.
Somit willigte ich ein auch auf dem Weg zurück an die Quelle sein Träger und Begleiter zu sein. Auf dem Rückweg begaben wir uns gemeinsam in einer entspannten Motorrad-Tour durch die schönsten Teile von Frankreich; durchs Tal der Ardèche, durch die Rhône-Alpes und Hautes-Alpes, bis hin zum Mont Blanc und zurück an den Rhone-Gletscher beim Furkapass. Wir sahen wunderbare Landschaften und schönste Natur, kamen aber auch in grosser Intensität, wie es auf Reisen fast nur zu Fuss, mit Pferd oder Motorrad möglich ist, in Kontakt mit allen Kräften und den Elementen.
Die letzten sechs Stunden der Reise, vom Mont Blanc bis nach Hause in die Schweiz, erlebten wir nämlich stärksten Regen und einen rapiden Temperatursturz. Alles in mir versuchte mich dazu zu veranlassen meine Reiseroute zu

ändern und den leichteren Weg zu gehen.
Nicht bei 5 Grad Celsius und trotz dem Regenkombi bis auf die Knochen durchnässt zum auf 2400 m ü.M. lebenden Rhone-Gletscher zu fahren, damit ich den Stein, der mich als Träger und Begleiter wählte, dort hin bringen kann, wo seine eigene wirkliche Reise beginnt. Mein Verstand erklärte mir, dass der Stein sicher nicht an den Gletscher wollte. Da wir nun Freunde geworden sind, sei es für ihn sicher auch gut wenn er auf meinem Hausaltar liegen könne und ich dafür im Flachland bei 15 Grad durch den Regen reisen könne, ich müsse mich doch nicht dort hoch in die eisige Kälte quälen.
Bereits in Martingy war ich durchgefroren und desillusioniert von dem steten Gequatsche meines Verstandes, der mir weismachen wollte was das richtige ist. An einer Tankstelle bestellte ich 2 Croissants und
einen Kaffee. Hier war ich an der Kreuzung und musste mich entscheiden: Folge ich meinem Weg und dem Versprechen das ich dem Stein gegeben habe oder gehe ich durchs wärmere Flachland direkt nach Hause. Ich rief meinen Herzensschatz Rah-Hel an, der von mir als Begleiterin gewählte inkarnierte Spiegel meines Ost und West-Schildes, und erzählte ihr von meinem Dilemma. Sie erklärte mir kurz und deutlich dass heute noch der beste Tag sei um weiterzureisen, die Temperatur in den nächsten Tagen noch weiter fallen werde und der Regen anhalten wird. So machte ich meinen Schritt nach vorn, entschied mich für das Rad und mein Versprechen, welches ich der Grossmutter Stein und all ihren Verwandten gegeben habe.
Ich trank meinen Kaffee, tankte mein Motorrad voll und machte mich erneut Regen-Reise-Fertig. Ich nahm meine technischen Hilfsmittel zur Hand und schaute auf
dem Niederschlagsradar was der Regen denn machen will. Ich erkannte dass die Regen-Front schon einige Zeit am Mont Blanc
festhing und sich hier relativ Stationär hielt, ich erkannte meine Chance JETZT dieser Regen-Front davon zu fahren und lange vor ihr an der Quelle zu sein. So fuhr ich durch den Regen bis ich auf einmal auf trockener Strasse war, die Autobahn wieder verliess und mich wieder dem gewohnten, sanften Schlängeln der Landstrasse hingab. Doch das Wasser wollte nicht von mir ablassen und die trockene Fahrt hielt nur ca. 50 km an. Dennoch konnte ich mich in der Zeit etwas Fahrtwind-trocknen und wärmen. Am Gletscher angekommen ging ich noch ein paar Schritte mit dem Stein, bis er mich anhielt und ich ihn zur Erde fallen liess. Der Stein fiel nicht auf eine seiner grossen Seiten, sondern er stand auf einer kleinen Kante. Er war nicht einfach zu Boden gefallen, er stand aufrecht an dem Ort an dem er sein wollte und verkündete die Information der Reise, des grossen Kreises den wir gemeinsam gegangen waren, in alle Richtungen an der Quelle der Rhone. Der Stein freute sich nun den Weg noch einmal in anderer Form, mit all seinen Schwestern und Brüdern gehen zu können. Ich sah die Zeremonie, erkannte den Kreis, dankte und ging zurück um die restlichen Kilometer bis zu meinem Haus zu fahren. Dort brachte ich in der heissen Badewanne meinen vor Kälte blau verfärbten Körper wieder in Wärme.
So initiierte mich diese Reise und die Grossmutter Stein wieder ins Lehr-Rad.
Epilog:
Die Schönheit von Schamanismus und den Medizinrädern ist unbeschreiblich. Die Möglichkeiten die sich auftun und die Welten die sich eröffnen, und damit eben auch jenes Verständnis dass das Leben selbst die Zeremonie ist die nachhaltig zelebriert werden soll/ darf/ muss, sind das was für mich die Erfahrung hier auf Erden noch vielschichtiger macht. Und dennoch sind diese Wege nicht immer nur Komfort und Wellness. Die Lehren welche Erde, Sonne, Wasser, Luft bringen sind nicht immer nur einfach. Manchmal wird Wille, Selbstüberwindung, genaues Hinsehen und Hinhören, sowie die Entschlossenheit seiner Entscheidung zu folgen und alle Konsequenzen bis zum Ende zu tragen geprüft. Die Kräfte die einen unterstützen wollen wissen, ob eine Person auch dann weitermacht und seinen Weg, seine eigene gewählte Richtung beibehält, wenn es schwierig ist.
Ich bin überzeugt, dass ich mich jeden Morgen, jeden Moment neu entscheiden kann. Aber während einer Zeremonie, da bleibe ich auf meinem Weg und entscheide erst neu, wenn diese Zeremonie beendet und abgeschlossen ist, wenn der Kreis bis zum Ende gegangen ist und das nächste/ andere/ weitere/ gleiche/ neue/ Rad beginnt.